Schlagwortwolke
Eine Schlagwortwolke (auch: Schlagwortmatrix oder Stichwortwolke selten Etikettenwolke, englisch: tag cloud) ist eine Methode zur Informationsvisualisierung, bei der eine Liste aus Schlagworten alphabetisch sortiert flächig angezeigt wird, wobei einzelne unterschiedlich gewichtete Wörter größer oder auf andere Weise hervorgehoben dargestellt werden. Es ist somit möglich, zwei Ordnungsdimensionen (die alphabetische Sortierung und die Gewichtung) gleichzeitig darzustellen und auf einen Blick erfassbar zu machen. Wortwolken werden zunehmend beim gemeinschaftlichen Indexieren und in Weblogs eingesetzt. Bekannte Anwendungen sind die Darstellung populärer Stichwörter bei Flickr, Technorati und Del.icio.us.
Schlagwortwolken wurden vermutlich zuerst 2002 von Jim Flanagan eingesetzt1) und zunächst als gewichtete Liste (engl. weighted list) bezeichnet.2) Um einige Zeit früher im Jahr 1980 kam allerdings schon das Buch „Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie“ von Gilles Deleuze und Felix Guattari heraus3), auf dessen Einband bereits eine „Begriffswolke“ abgebildet ist.
Erstellung einer Schlagwortwolke
Prinzipiell wird die Schriftgröße eines Schlagwortes in einer Schlagwortwolke durch dessen Häufigkeit bestimmt. Für eine Wortwolke der Kategorien eines Weblogs entspricht die Benutzungshäufigkeit beispielsweise der Anzahl von Weblog-Einträgen, die einer Kategorie zugeordnet sind. Bei kleinen Häufigkeiten genügt es, für jede Anzahl von eins bis zu einem Maximalwert die Schriftgröße direkt anzugeben.4) Für größere Werte sollte eine Normierung vorgenommen werden.
Wahrnehmung von Schlagwortwolken
In einigen empirischen Usability-Tests wurde die Wahrnehmung und Wirkung von Schlagwortwolken untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass Schlagwörter, die die folgenden Eigenschaften besitzen, mehr Beachtung erfahren:5)
- Schlagwörter mit einer großen Schriftgröße (Effekt beeinflusst durch weitere Faktoren, wie Anzahl der Buchstaben oder benachbarte Schlagwörter)
- Schlagwörter in der Mitte der Schlagwortwolke (Effekt beeinflusst durch das jeweilige Layout der Schlagwortwolke)
- Schlagwörter im linken, oberen Quadranten (Effekt beeinflusst durch westliche Lesegewohnheiten)
Außerdem wurde nachgewiesen, dass Schlagwortwolken in der Regel visuell gescannt anstatt gelesen werden.
Schlagwortwolken unter Usability-Aspekten
Im Rahmen von Usability-Tests ist festgestellt worden, dass wenig erfahrene Nutzer häufig Probleme mit Wortwolken haben: User-Tests und die Nachbefragungen haben ergeben, dass sich Schlagwortwolken vielen Usern offenbar nicht intuitiv erschließen und ihnen unklar ist, warum z. B. manche Begriffe größer als andere dargestellt werden.
Internet-erfahrene Nutzer dagegen können Tag-Clouds in der Regel problemlos handhaben und sehen in ihnen häufig eine Bereicherung des Nutzererlebnisses. Dennoch treten auch hier Probleme auf, die sich insbesondere auf die fehlende Interaktivität, die fehlende zeitliche Abgrenzung sowie die fehlende semantische Anordnung von Tags (und damit verbundene Redundanzen) beziehen. Hier setzen Lösungen der zweiten Tag-Cloud-Generation an.6)