Folgt man der Schilderung von Elmar Pfandzelter im zweiten Band seiner „Schwabmünchner Geschichten“, dann rührt der Name der Gartenstraße von den gepflegten Gärten an der Straßenwestseite. Seit der Namensgebung in den 30er Jahren ist einige Zeit ins Land gezogen und auch an der Ostseite sind Häuser mit schönen Gärten hinzugekommen. Nach wie vor säumen Bäume die Gartenstraße, was sie erst recht im Vergleich zur parallel verlaufenden Fuggerstraße, zu einem Idyll macht. Nur die vergleichsweise großen Parkplätze, die dort für einen Supermarkt und eine Drogerie angelegt wurden, sind die visuellen Störenfriede in der Straße. Doch zeigen sie auch ein Dilemma der Stadtentwicklung auf.
Die Gartenstraße besteht auf der Westseite überwiegend aus den Rückgebäuden von Anwesen, die zur Fuggerstraße hin ausgerichtet sind und wobei es sich meist um Gewerbebetriebe handelt. Das ist keine Entwicklung der Neuzeit, sondern hat seinen Hintergrund in der Geschichte des Ortes. Die Fuggerstraße ist von jeher die zentrale Achse von Schwabmünchen, an der sich viele Betriebe angesiedelt haben. Das Spektrum reichte von kleinen Kaufleuten und Handwerkern bin hin zu grossen Brauereien mit angegliedertem Gasthaus. Einige der Betriebe sind nicht mehr aktiv und die Gebäude dem Verfall preisgegeben, z.B. die stillgelegte Molkerei Burger. Andere, wie die Traubenwirtschaft, haben sich gewandelt und nicht zuletzt deswegen noch aktiver Teil des Wirtschaftslebens, wenn auch nicht mehr in der ursprünglichen Funktion.
Ein Betrieb, der die Jahrzente überstanden hat und dabei stetig gewachsen ist, ist das Busunternehmen Stuhler. In der engen Bebauung ist es nachvollziehbar schwierig, für alle Busse einen Abstellplatz zu finden. Das Betriebsgrundstück selbst reicht dafür schon lange nicht mehr und einige Fahrzeuge wurden von jeher auf aufgelassenen Grundstücken in der Nachbarschaft abgestellt. Doch irgendwann sind auch diese erschöpft und schlussendlich musste jetzt ein Gutteil des Gartens hinter den Fahrzeughallen weichen und die gewonnene Fläche wird jetzt als Parkplatz für Busse genutzt.
Einerseits ist ein Jammer um die Grünfläche, die vernichtet wurde. Andererseits ist da die Frage nach der Alternative. Abwandern in ein Industriegebiet? Rein technisch ein gangbarer Weg, in der Folge stünde aber wahrscheinlich eine Ruine mehr in der Fuggerstraße. Da wäre dann wieder das Dilemma, das die Entwicklung eines Ortes bestimmt. Die städtebauliche Realität im Ortszentrum orientiert sich nur selten an ästhetischen Gesichtspunkten. Demnächst geht die Umgestaltung der Fuggerstraße in die heiße Phase, bleibt abzuwarten wie ästhetisch das Ergebnis dann sein wird.
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